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Reporting und Regulatorik

EU fördert Carbon Farming und CO₂-Entnahme

6.5.2024
5 min

Die EU hat eine Einigung für die Zertifizierung von hochwertigen CO₂-Entnahmen und Carbon Farming Initiativen erreicht. Erfahrt in diesem Artikel, was die Kernpunkte der Verordnung sind und was sie für die EU-Landwirtschaft und Unternehmen bedeutet, die in CO₂-Zertifikate aus Regenerativer Landwirtschaft investieren möchten.

Kernaussagen:

  • Ziel des EU-Zertifizierungsrahmens (EU Carbon Removal Certification Framework) ist die Förderung von CO₂-Entnahmen und Carbon Farming Initiativen zur Erreichung der EU-Klimaziele.
  • Die Verordnung differenziert verschiedene Arten von CO₂-Speicherungen, sowohl naturbasiert als auch technologisch, basierend auf deren Speicherdauer.
  • Quantifizierung, Additionalität, langfristige Speicherung und Nachhaltigkeit sind zentrale Qualitätskriterien für die Zertifizierung von CO₂-Entnahmen.
  • Die Zertifizierung ist zunächst freiwillig und bietet großen nationalen Handlungsspielraum. Eine Vereinheitlichung durch EU-Expertengruppen ist notwendig und noch abzuwarten.

Bildquelle:

Was ist das Ziel des EU-Zertifizierungsrahmens?

Die EU hat sich mit dem Green Deal zur Klimaneutralität bis 2050 verpflichtet. Neben der übergeordneten Reduktion von Treibhausgasemissionen müssen vorhandene Emissionen aus der Atmosphäre entfernt werden, um schwer zu reduzierende Emissionen zu kompensieren und dieses Ziel zu erreichen. Dabei spielen zusätzlich zu technischen Lösungen zur CO₂-Entnahme  kosteneffiziente und skalierbare naturbasierte Lösungen eine wichtige Rolle. So hat die EU im Sektor Landnutzung, Landnutzungsveränderungen und Forstwirtschaft (LULUCF) das Ziel, bis 2030 eine Netto-CO₂-Entnahme von 310 Mio. Tonnen zu erreichen. Einen wichtigen Beitrag kann hierzu das sogenannte Carbon Farming leisten.

Kohlenstoffbindung durch Carbon Farming

Carbon Farming und Regenerative Landwirtschaft: Was ist der Unterschied?

In den letzten Jahren wurde der Begriff “Carbon Farming” immer häufiger auch in Deutschland verwendet, um eine Art der Landbewirtschaftung zu beschreiben. Während Carbon Farming und Regenerative Landwirtschaft häufig als Synonyme verwendet werden, gibt es eine Trennung zwischen den beiden Begriffen: Carbon Farming Carbon Farming konzentriert sich darauf, CO₂ aus der Atmosphäre in Form von Kohlenstoff im Boden zu binden, durch Praktiken wie verbesserte Fruchtfolgen und dem Einsatz von organischem Dünger.

Regenerative Landwirtschaft geht noch einen Schritt weiter, indem sie die Wiederherstellung der Bodengesundheit, die Erhöhung der Biodiversität und die Wiederbelebung des Wasserkreislaufs in den Fokus rückt, mit Techniken, die über Kohlenstoffbindung hinausgehen. Dennoch: Beide Ansätze teilen das gemeinsame Ziel, die Landwirtschaft nachhaltiger zu gestalten und unseren Planeten zu heilen.

Mit der Etablierung eines freiwilligen, EU-weiten Rahmens für die Zertifizierung von qualitativ hochwertigen CO₂-Entnahmen, dem sogenannten EU Carbon Removal Certification Framework, möchte die EU innovative Maßnahmen zur CO₂-Entnahme sowie Carbon Farming Initiativen fördern.

Was sind die Kernpunkte der Einigung?

Die vorläufig vereinbarte Verordnung stellt Regeln auf EU-Ebene auf, die eine einheitliche Quantifizierung, Überwachung und Überprüfung von CO₂-Entnahmen und dadurch generierten CO₂-Zertifikaten ermöglichen. Die Einigung muss von Parlament und Rat noch formal bestätigt werden. Sie umfasst sowohl technologische als auch naturbasierte Ansätze zur CO₂-Entnahme und klassifiziert diese in drei Kategorien nach ihrer Speicherdauer. Zudem deckt die Einigung die Verringerung der Emissionen aus Böden durch die Freisetzung von Bodenkohlenstoff ab. Letzteres war im ursprünglichen Vorschlag der Europäischen Kommission von November 2022 noch nicht enthalten und wurde in der Einigung von Parlament und Rat ergänzt.

Die Verordnung unterscheidet folgende Arten:

Art Dauerhafte Speicherung von atmosphärischem und biogenem CO₂ Vorübergehende CO₂-Speicherung in langlebigen Produkten (z.B. Holzprodukte) Vorübergehende CO₂-Speicherung durch klimaeffiziente Landwirtschaft Verringerung der Emissionen aus Böden durch klimaeffiziente Landwirtschaft
Dauer Mehrere Jahrhunderte Mindestens 35 Jahre Mindestens 5 Jahre Mindestens 5 Jahre

Was sind die zentralen Qualitätskriterien?

Der Beschluss beinhaltet Richtlinien zur Anerkennung von Zertifizierungssystemen und definiert spezifische Kriterien zur Sicherstellung der Qualität, Transparenz und Glaubwürdigkeit der generierten CO₂-Zertifikate. Die Einigung behält die Forderung des Kommissionsvorschlags bei, dass vier zentrale Qualitätskriterien erfüllt sein müssen, um eine Zertifizierung zu erhalten: Quantifizierung, Additionalität, langfristige Speicherung und Nachhaltigkeit, zusammengefasst als QU.A.L.ITY-Kriterien:

Quelle: Adaptiert von der Europäischen Kommission

  • Quantifizierung: Die Tätigkeiten müssen eindeutige Vorteile für das Klima haben. Korrekte Angaben der CO₂-Mengen müssen garantiert sein.
  • Additionalität: Die Maßnahmen müssen über Standardverfahren und gesetzlich vorgeschriebene Maßnahmen hinausgehen.
  • Langfristige Speicherung: Es wird sichergestellt, dass je nach Art die entsprechende Dauerhaftigkeit gegeben ist (siehe Tabelle oben). Betreiber müssen für Wiederfreisetzungen von CO₂ in die Atmosphäre haften, die während des Überwachungszeitraums passieren, welcher mindestens so lang wie die Aktivität selbst sein muss.
  • SustainabilITY: Die Praktiken sollen Beiträge zu breiteren Nachhaltigkeitszielen leisten. Jede Maßnahme im Bereich der klimaeffizienten Landwirtschaft soll mindestens einen positiven Nebeneffekt auf die Biodiversität haben, was die Bodengesundheit und die Reduktion von Bodenerosion einschließt.

Auf Grundlage der genannten Qualitätskriterien wird die Kommission angepasste Zertifizierungsmethoden für die verschiedene CO₂-Entnahmeaktivitäten entwickeln, um eine einheitliche, effiziente und kostengünstige Anwendung der Standards zu sichern.

Wie funktioniert die EU-Zertifizierung für CO₂-Entnahmen?

Die Zertifizierung hat zunächst freiwilligen Charakter. Betreiber von CO₂-Entnahmeaktivitäten, die ihr Projekt zertifizieren lassen wollen, müssen sich an eine Zertifizierungsstelle wenden, welche von der EU-Kommission geprüft und gebilligt wurde.

Der Entwurf bietet auf nationaler Ebene einen erheblichen Handlungsspielraum. In diesem Rahmen können sowohl öffentliche als auch privatwirtschaftliche Zertifizierungssysteme der EU-Mitgliedstaaten zugelassen werden. Die Einrichtung eines öffentlichen Zertifizierungssystems wird nicht verpflichtend sein, sondern soll durch die individuelle Nutzenbetrachtung der einzelnen Staaten entschieden werden.

Die Verordnung sieht vor, dass die generierten CO₂-Zertifikate in einem öffentlichen Register erfasst werden müssen. Ein EU-weites, elektronisches Register für zertifizierte CO₂-Entnahmen soll innerhalb von vier Jahren eingeführt werden. Bis dahin können bestehende Register genutzt werden.

Wie können landwirtschaftliche Betriebe Vergütung erhalten - und Unternehmen ihren Beitrag leisten?

Eine Vergütung kann durch öffentliche oder durch private Mittel erfolgen. Öffentliche Mittel könnten zum Beispiel im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), durch staatliche Beihilferegelungen oder Innovationsfonds ausgezahlt werden. Die finanziellen Mittel der GAP sollen Landwirt:innen helfen, über die verbindlichen rechtlichen Anforderungen von Carbon Farming hinauszugehen. Deutschland könnte den GAP-Rahmen z.B. als Instrument nutzen, um mithilfe von Eco-Schemes Anreize für Carbon Farming zu schaffen.

Eine private Finanzierung kann hingegen dadurch erfolgen, dass Lebensmittelunternehmen Landwirt:innen für die zusätzlichen CO₂-Entnahmen vergüten und im Gegenzug ihre CO₂-Bilanz verbessern und die Resilienz ihrer Lieferketten stärken - sogenannte Insetting Projekte. Über den freiwilligen Kohlenstoffmarkt können zudem Unternehmen aller Branchen durch den Kauf von CO₂-Zertifikaten in eine klimaeffiziente Landwirtschaft investieren und damit Klimaschutz und Biodiversität fördern. Klim ist in den beiden genannten Bereichen aktiv und stellt gemeinsam mit Unternehmen den Landwirt:innen private Mittel zur Integration regenerativer Maßnahmen bereit - das werden wir weiterhin tun und daran wird die Verordnung zunächst nichts ändern.

Was bedeutet der Beschluss für das Carbon Farming und Klim?

Es ist absolut begrüßenswert, dass die EU noch vor den Parlamentswahlen im Sommer einen wichtigen Meilenstein hin zu einem EU-Zertifikatemarkt für CO₂-Entnahmen eingeschlagen hat. Das schafft Handlungssicherheit und Vertrauen für alle Beteiligten in der Kette. Jedoch ist der Verordnungsentwurf sehr weit gefasst: Wenn Nationalstaaten zwischen entweder öffentlichen, privaten oder haushalterisch finanzierten Systemen auswählen können und diese individuell ausgestalten, besteht das Risiko einer Aufsplitterung in 28 Einzellösungen. Die Vision eines einheitlichen Zertifizierungsmechanismus wird dabei leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Es kommt daher nun auf die EU-Expertengruppen an, die den Verordnungsentwurf mit konkreten Zertifizierungs-Methodiken und anerkannten Maßnahmen untermauern und gleichzeitig genauer definieren müssen.

Nur so kann die Verordnung der EU zu einer echten Vereinheitlichung beitragen und das freiwillige Engagement privatwirtschaftlicher Unternehmen stärker unterstützen. Die Anrechenbarkeit der Zertifikate auf Unternehmensebene im Rahmen der EU-Zertifizierung ist noch zu klären. Eine solche Investitionssicherheit benötigen wir angesichts des immer schneller voranschreitenden Klimawandels heute mehr denn je. Eine einwandfreie Anrechenbarkeit schafft die nötigen Anreize für Unternehmen, in Klimaschutzmaßnahmen zu investieren.

Damit das zarte Pflänzchen des Carbon Farming zur vollen Blüte gelangt, sind also noch einige Hege- und Pflegemaßnahmen notwendig. Gut, wenn alle Akteure in der Wertschöpfungskette diese Entwicklung hörbar mitgestalten.

Wir bei Klim arbeiten bereits heute mit engagierten Unternehmen daran, die Regenerative Landwirtschaft zu skalieren, denn Zeit abzuwarten haben wir nicht mehr. Die Güte unserer Zertifikate wird durch die Berücksichtigung der QU.A.L.ITY-Kriterien gesichert, die in der Verordnung wiederzufinden sind. Dazu gehören unter anderem Quantifizierbarkeit, Additionalität und Permanenz sowie Co-Benefits für Biodiversität und Bodengesundheit. Mit unserer Methodologie und der digitalen Plattform bieten wir ein Höchstmaß an Transparenz und Rückverfolgbarkeit unserer CO₂-Zertifikate.

Hast du Interesse, dich über Klimaschutzprojekte und Regenerative Landwirtschaft auszutauschen? Dann melde dich gerne bei uns.

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EU fördert Carbon Farming und CO₂-Entnahme

6.5.2024
5 min

Die EU hat eine Einigung für die Zertifizierung von hochwertigen CO₂-Entnahmen und Carbon Farming Initiativen erreicht. Erfahrt in diesem Artikel, was die Kernpunkte der Verordnung sind und was sie für die EU-Landwirtschaft und Unternehmen bedeutet, die in CO₂-Zertifikate aus Regenerativer Landwirtschaft investieren möchten.

Autor
Lutz Wildermann
Lutz Wildermann
VP Agriculture

Kernaussagen:

  • Ziel des EU-Zertifizierungsrahmens (EU Carbon Removal Certification Framework) ist die Förderung von CO₂-Entnahmen und Carbon Farming Initiativen zur Erreichung der EU-Klimaziele.
  • Die Verordnung differenziert verschiedene Arten von CO₂-Speicherungen, sowohl naturbasiert als auch technologisch, basierend auf deren Speicherdauer.
  • Quantifizierung, Additionalität, langfristige Speicherung und Nachhaltigkeit sind zentrale Qualitätskriterien für die Zertifizierung von CO₂-Entnahmen.
  • Die Zertifizierung ist zunächst freiwillig und bietet großen nationalen Handlungsspielraum. Eine Vereinheitlichung durch EU-Expertengruppen ist notwendig und noch abzuwarten.

Was ist das Ziel des EU-Zertifizierungsrahmens?

Die EU hat sich mit dem Green Deal zur Klimaneutralität bis 2050 verpflichtet. Neben der übergeordneten Reduktion von Treibhausgasemissionen müssen vorhandene Emissionen aus der Atmosphäre entfernt werden, um schwer zu reduzierende Emissionen zu kompensieren und dieses Ziel zu erreichen. Dabei spielen zusätzlich zu technischen Lösungen zur CO₂-Entnahme  kosteneffiziente und skalierbare naturbasierte Lösungen eine wichtige Rolle. So hat die EU im Sektor Landnutzung, Landnutzungsveränderungen und Forstwirtschaft (LULUCF) das Ziel, bis 2030 eine Netto-CO₂-Entnahme von 310 Mio. Tonnen zu erreichen. Einen wichtigen Beitrag kann hierzu das sogenannte Carbon Farming leisten.

Kohlenstoffbindung durch Carbon Farming

Carbon Farming und Regenerative Landwirtschaft: Was ist der Unterschied?

In den letzten Jahren wurde der Begriff “Carbon Farming” immer häufiger auch in Deutschland verwendet, um eine Art der Landbewirtschaftung zu beschreiben. Während Carbon Farming und Regenerative Landwirtschaft häufig als Synonyme verwendet werden, gibt es eine Trennung zwischen den beiden Begriffen: Carbon Farming Carbon Farming konzentriert sich darauf, CO₂ aus der Atmosphäre in Form von Kohlenstoff im Boden zu binden, durch Praktiken wie verbesserte Fruchtfolgen und dem Einsatz von organischem Dünger.

Regenerative Landwirtschaft geht noch einen Schritt weiter, indem sie die Wiederherstellung der Bodengesundheit, die Erhöhung der Biodiversität und die Wiederbelebung des Wasserkreislaufs in den Fokus rückt, mit Techniken, die über Kohlenstoffbindung hinausgehen. Dennoch: Beide Ansätze teilen das gemeinsame Ziel, die Landwirtschaft nachhaltiger zu gestalten und unseren Planeten zu heilen.

Mit der Etablierung eines freiwilligen, EU-weiten Rahmens für die Zertifizierung von qualitativ hochwertigen CO₂-Entnahmen, dem sogenannten EU Carbon Removal Certification Framework, möchte die EU innovative Maßnahmen zur CO₂-Entnahme sowie Carbon Farming Initiativen fördern.

Was sind die Kernpunkte der Einigung?

Die vorläufig vereinbarte Verordnung stellt Regeln auf EU-Ebene auf, die eine einheitliche Quantifizierung, Überwachung und Überprüfung von CO₂-Entnahmen und dadurch generierten CO₂-Zertifikaten ermöglichen. Die Einigung muss von Parlament und Rat noch formal bestätigt werden. Sie umfasst sowohl technologische als auch naturbasierte Ansätze zur CO₂-Entnahme und klassifiziert diese in drei Kategorien nach ihrer Speicherdauer. Zudem deckt die Einigung die Verringerung der Emissionen aus Böden durch die Freisetzung von Bodenkohlenstoff ab. Letzteres war im ursprünglichen Vorschlag der Europäischen Kommission von November 2022 noch nicht enthalten und wurde in der Einigung von Parlament und Rat ergänzt.

Die Verordnung unterscheidet folgende Arten:

Art Dauerhafte Speicherung von atmosphärischem und biogenem CO₂ Vorübergehende CO₂-Speicherung in langlebigen Produkten (z.B. Holzprodukte) Vorübergehende CO₂-Speicherung durch klimaeffiziente Landwirtschaft Verringerung der Emissionen aus Böden durch klimaeffiziente Landwirtschaft
Dauer Mehrere Jahrhunderte Mindestens 35 Jahre Mindestens 5 Jahre Mindestens 5 Jahre

Was sind die zentralen Qualitätskriterien?

Der Beschluss beinhaltet Richtlinien zur Anerkennung von Zertifizierungssystemen und definiert spezifische Kriterien zur Sicherstellung der Qualität, Transparenz und Glaubwürdigkeit der generierten CO₂-Zertifikate. Die Einigung behält die Forderung des Kommissionsvorschlags bei, dass vier zentrale Qualitätskriterien erfüllt sein müssen, um eine Zertifizierung zu erhalten: Quantifizierung, Additionalität, langfristige Speicherung und Nachhaltigkeit, zusammengefasst als QU.A.L.ITY-Kriterien:

Quelle: Adaptiert von der Europäischen Kommission

  • Quantifizierung: Die Tätigkeiten müssen eindeutige Vorteile für das Klima haben. Korrekte Angaben der CO₂-Mengen müssen garantiert sein.
  • Additionalität: Die Maßnahmen müssen über Standardverfahren und gesetzlich vorgeschriebene Maßnahmen hinausgehen.
  • Langfristige Speicherung: Es wird sichergestellt, dass je nach Art die entsprechende Dauerhaftigkeit gegeben ist (siehe Tabelle oben). Betreiber müssen für Wiederfreisetzungen von CO₂ in die Atmosphäre haften, die während des Überwachungszeitraums passieren, welcher mindestens so lang wie die Aktivität selbst sein muss.
  • SustainabilITY: Die Praktiken sollen Beiträge zu breiteren Nachhaltigkeitszielen leisten. Jede Maßnahme im Bereich der klimaeffizienten Landwirtschaft soll mindestens einen positiven Nebeneffekt auf die Biodiversität haben, was die Bodengesundheit und die Reduktion von Bodenerosion einschließt.

Auf Grundlage der genannten Qualitätskriterien wird die Kommission angepasste Zertifizierungsmethoden für die verschiedene CO₂-Entnahmeaktivitäten entwickeln, um eine einheitliche, effiziente und kostengünstige Anwendung der Standards zu sichern.

Wie funktioniert die EU-Zertifizierung für CO₂-Entnahmen?

Die Zertifizierung hat zunächst freiwilligen Charakter. Betreiber von CO₂-Entnahmeaktivitäten, die ihr Projekt zertifizieren lassen wollen, müssen sich an eine Zertifizierungsstelle wenden, welche von der EU-Kommission geprüft und gebilligt wurde.

Der Entwurf bietet auf nationaler Ebene einen erheblichen Handlungsspielraum. In diesem Rahmen können sowohl öffentliche als auch privatwirtschaftliche Zertifizierungssysteme der EU-Mitgliedstaaten zugelassen werden. Die Einrichtung eines öffentlichen Zertifizierungssystems wird nicht verpflichtend sein, sondern soll durch die individuelle Nutzenbetrachtung der einzelnen Staaten entschieden werden.

Die Verordnung sieht vor, dass die generierten CO₂-Zertifikate in einem öffentlichen Register erfasst werden müssen. Ein EU-weites, elektronisches Register für zertifizierte CO₂-Entnahmen soll innerhalb von vier Jahren eingeführt werden. Bis dahin können bestehende Register genutzt werden.

Wie können landwirtschaftliche Betriebe Vergütung erhalten - und Unternehmen ihren Beitrag leisten?

Eine Vergütung kann durch öffentliche oder durch private Mittel erfolgen. Öffentliche Mittel könnten zum Beispiel im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), durch staatliche Beihilferegelungen oder Innovationsfonds ausgezahlt werden. Die finanziellen Mittel der GAP sollen Landwirt:innen helfen, über die verbindlichen rechtlichen Anforderungen von Carbon Farming hinauszugehen. Deutschland könnte den GAP-Rahmen z.B. als Instrument nutzen, um mithilfe von Eco-Schemes Anreize für Carbon Farming zu schaffen.

Eine private Finanzierung kann hingegen dadurch erfolgen, dass Lebensmittelunternehmen Landwirt:innen für die zusätzlichen CO₂-Entnahmen vergüten und im Gegenzug ihre CO₂-Bilanz verbessern und die Resilienz ihrer Lieferketten stärken - sogenannte Insetting Projekte. Über den freiwilligen Kohlenstoffmarkt können zudem Unternehmen aller Branchen durch den Kauf von CO₂-Zertifikaten in eine klimaeffiziente Landwirtschaft investieren und damit Klimaschutz und Biodiversität fördern. Klim ist in den beiden genannten Bereichen aktiv und stellt gemeinsam mit Unternehmen den Landwirt:innen private Mittel zur Integration regenerativer Maßnahmen bereit - das werden wir weiterhin tun und daran wird die Verordnung zunächst nichts ändern.

Was bedeutet der Beschluss für das Carbon Farming und Klim?

Es ist absolut begrüßenswert, dass die EU noch vor den Parlamentswahlen im Sommer einen wichtigen Meilenstein hin zu einem EU-Zertifikatemarkt für CO₂-Entnahmen eingeschlagen hat. Das schafft Handlungssicherheit und Vertrauen für alle Beteiligten in der Kette. Jedoch ist der Verordnungsentwurf sehr weit gefasst: Wenn Nationalstaaten zwischen entweder öffentlichen, privaten oder haushalterisch finanzierten Systemen auswählen können und diese individuell ausgestalten, besteht das Risiko einer Aufsplitterung in 28 Einzellösungen. Die Vision eines einheitlichen Zertifizierungsmechanismus wird dabei leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Es kommt daher nun auf die EU-Expertengruppen an, die den Verordnungsentwurf mit konkreten Zertifizierungs-Methodiken und anerkannten Maßnahmen untermauern und gleichzeitig genauer definieren müssen.

Nur so kann die Verordnung der EU zu einer echten Vereinheitlichung beitragen und das freiwillige Engagement privatwirtschaftlicher Unternehmen stärker unterstützen. Die Anrechenbarkeit der Zertifikate auf Unternehmensebene im Rahmen der EU-Zertifizierung ist noch zu klären. Eine solche Investitionssicherheit benötigen wir angesichts des immer schneller voranschreitenden Klimawandels heute mehr denn je. Eine einwandfreie Anrechenbarkeit schafft die nötigen Anreize für Unternehmen, in Klimaschutzmaßnahmen zu investieren.

Damit das zarte Pflänzchen des Carbon Farming zur vollen Blüte gelangt, sind also noch einige Hege- und Pflegemaßnahmen notwendig. Gut, wenn alle Akteure in der Wertschöpfungskette diese Entwicklung hörbar mitgestalten.

Wir bei Klim arbeiten bereits heute mit engagierten Unternehmen daran, die Regenerative Landwirtschaft zu skalieren, denn Zeit abzuwarten haben wir nicht mehr. Die Güte unserer Zertifikate wird durch die Berücksichtigung der QU.A.L.ITY-Kriterien gesichert, die in der Verordnung wiederzufinden sind. Dazu gehören unter anderem Quantifizierbarkeit, Additionalität und Permanenz sowie Co-Benefits für Biodiversität und Bodengesundheit. Mit unserer Methodologie und der digitalen Plattform bieten wir ein Höchstmaß an Transparenz und Rückverfolgbarkeit unserer CO₂-Zertifikate.

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Lutz Wildermann

Als Agrarökonom mit mehrjähriger Erfahrungen im Agrar-Banking und der Agrarpolitik leitet Lutz Klims Landwirtschaftsteam. Er ist selbst passionierter Landwirt und auf dem elterlichen Familienbetrieb im südlichen Emsland aktiv.

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