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Die Basics der Regenerativen Landwirtschaft

Investiere in Bodengesundheit

9.5.2023
4 min

Der Boden ist eine faszinierende und komplexe natürliche Ressource, die wir häufig als selbstverständlich hinnehmen oder übersehen. Diese dünne Schicht „Dreck“ ist unerlässlich für die Nahrungsmittelproduktion und Ernährungssicherheit, den Wasser- und Kohlenstoffkreislauf unseres Planeten und die Artenvielfalt.

Kernaussagen

  • Der Boden ist ein komplexes und vielfältiges Ökosystem, das alles Leben auf der Erde möglich macht. Gesunder Boden ist ein großer Wasserfilter und -speicher und die zweitgrößte Kohlenstoffsenke der Erde. 
  • 33 % der Böden auf der Erde sind bereits degradiert und über 90 % könnten bis 2050 degradiert sein, was eine erhebliche Bedrohung für die weltweite Ernährungssicherheit und die Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen darstellt.
  • Lebensmittelunternehmen erkennen immer häufiger die Bedeutung der Zusammenarbeit mit Landwirt:innen, um die Bodengesundheit in ihren Lieferketten zu verbessern. 
  • Projekte zur Förderung der Regenerativen Landwirtschaft ermöglichen es Unternehmen aus allen Branchen, im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie in die Regeneration von landwirtschaftlichen Böden zu investieren.

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Die Komplexität des Bodens

Der Boden ist ein komplexes und vielfältiges Ökosystem. Wusstest Du, dass ein einziger Esslöffel gesunder Boden mehr Organismen enthält, als es Menschen auf der Erde gibt? (1) Diese winzigen Lebewesen interagieren miteinander und leisten ihren Beitrag zu den globalen Kreisläufen, die alles Leben auf der Erde ermöglichen. Ein wesentlicher Bestandteil eines gesunden Bodens ist Humus, ein dunkles, organisches Material, das entsteht, wenn Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze im Laufe der Zeit pflanzliche und tierische Stoffe zersetzen. (2) Dabei setzen sie lebenswichtige Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium frei, die für das Pflanzenwachstum und eine gesunde Nahrungsmittelproduktion notwendig sind. (3). Das verbleibende Material, das reich an organischen Verbindungen ist, wird zu Humus. 

Der Boden als Wasserfilter und -speicher

Humus spielt eine entscheidende Rolle bei der Schaffung einer Bodenstruktur, die “krümelig” und locker ist, sodass die Pflanzenwurzeln gut mit Sauerstoff versorgt werden und optimal erreichbar sind. (2) Darüber hinaus absorbiert und speichert Humus Feuchtigkeit und erleichtert die Wasserbewegung durch den Boden. (4) Böden dienen als großer Wasserfilter und -speicher und regulieren die Menge und Qualität des verfügbaren Süßwassers. Ein gesunder Boden kann ein Vielfaches seines Gewichts an Wasser speichern. (5) Da Pflanzen in Trockenzeiten auf das gespeicherte Wasser zugreifen können, verringert diese bemerkenswerte Absorptionsfähigkeit das Risiko von Überschwemmungen und Dürren.

Wie der Boden das Klima schützt

Eine weitere bedeutende Funktion des Bodens ist seine Fähigkeit, große Mengen an Kohlenstoff zu speichern. Gesunde Böden können bis zu 1.500 Milliarden Tonnen Kohlenstoff speichern, was zur Regulierung der CO₂-Emissionen in der Atmosphäre beiträgt. (4) In der Tat sind Böden nach den Ozeanen die zweitgrößte aktive Kohlenstoffsenke. Im Boden ist mehr Kohlenstoff gespeichert als in der Atmosphäre und der Vegetation zusammen. Gleichzeitig sind Investitionen in die Bodengesundheit eine Investition in die Anpassung an den Klimawandel, da sie, wie bereits erwähnt, die Widerstandsfähigkeit gegenüber Überschwemmungen und Dürren verbessern. (4)

Die Risiken der Bodendegradation

Leider ist die Bedeutung der Bodengesundheit in den letzten Jahrzehnten nicht wirklich beachtet worden. Mangelhafte Bewirtschaftungspraktiken haben zu einer Verarmung des fruchtbaren Oberbodens geführt. Der Oberboden ist die oberste Schicht des Bodens und reicht normalerweise zwischen 10 und 25 cm tief. Diese Schicht enthält in der Regel die höchste Konzentration an organischen Stoffen und Mikroorganismen. (6) Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (Food and Agriculture Organization, FAO) sind 33 % der Böden der Erde bereits degradiert, und bis 2050 könnten über 90 % degradiert sein. (7) Alle fünf Sekunden wird eine Bodenfläche erodiert, die der Größe eines Fußballfeldes entspricht. (7) Die FAO hat bereits 2015 gewarnt: "Das Hauptproblem, mit dem die Menschheit derzeit konfrontiert ist, ist nicht die globale Erwärmung, das Artensterben oder irgendeine andere Umweltkrise - das Hauptproblem, mit dem wir konfrontiert sein werden, ist die Degradation unserer Böden." (8) Die Verschlechterung der Böden stellt eine erhebliche Bedrohung für die weltweite Ernährungssicherheit und die Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals) dar. (7)

Aber was genau ist Bodendegradation? Sie bezeichnet "eine Veränderung des Gesundheitszustands des Bodens, die zu einer verminderten Fähigkeit des Ökosystems führt, Güter und Dienstleistungen für seine Nutzer bereitzustellen" (9). Die Bodendegradation kann verschiedene Formen der Beeinträchtigung der Bodenqualität umfassen, darunter Erosion, chemische Verschlechterung (z. B. Rückgang der organischen Substanz, Versalzung, Versauerung und Verschmutzung) und physische Verschlechterung (z. B. Verdichtung, Versiegelung, Staunässe und Verstädterung). (10) Diese Prozesse können die Bodenfruchtbarkeit, das Wasserhaltevermögen, die Verfügbarkeit von Nährstoffen und die biologische Vielfalt verringern. Der Begriff Bodenerosion wird manchmal synonym mit Bodendegradation verwendet, bezieht sich aber nur auf eine Komponente der Bodendegradation und beschreibt hauptsächlich den Verlust von Oberboden und Nährstoffen. (9) Einige Arten der Bodendegradation verursachen zwar kurzfristig keine nennenswerten Bodenverluste, können aber langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit und Produktivität des Bodens haben. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, alle Formen der Bodendegradation anzugehen und sich nicht nur auf Erosionsschutzmaßnahmen zu verlassen. 

Handlungsbedarf in der Lebensmittelindustrie und darüber hinaus

95 Prozent unserer Lebensmittel wachsen im Boden, weshalb dessen Gesundheit für die Lebensmittelindustrie von großem Interesse ist - und für die gesamte Weltbevölkerung sein sollte. (11) Zum Glück wird das Thema bei Lebensmittelunternehmen immer präsenter und sie sind zunehmend daran interessiert, mit den Landwirt:innen aus der eigenen Lieferkette zusammenzuarbeiten, um die Bodengesundheit fördern. Die Auswirkungen der Bodendegradation auf die biologische Vielfalt und das Klima sind jedoch so gravierend, dass es von großer Bedeutung ist, dass dieses Thema breitere Aufmerksamkeit in der Gesellschaft, den Regierungen und der Wirtschaft erfährt. Und es gibt diese Entwicklungen: Innovative Klimaprojekte bieten Unternehmen aus allen Branchen die Möglichkeit, im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie in die Gesundheit von landwirtschaftlichen Böden zu investieren und können eine sinnvolle Ergänzung zu traditionellen Klimaschutzprojekten darstellen. Ein solches Projekt hat auch Klim mit der Förderung der Regenerativen Landwirtschaft ins Leben gerufen.

Regenerative Landwirtschaft kann die Trends umkehren

Regenerative Landwirtschaft ist eine vielversprechende Lösung zur Bekämpfung der Bodendegradation. Sie bezieht sich auf landwirtschaftliche Praktiken,  die Bodengesundheit in den Mittelpunkt stellen und zur Humusanreicherung des Bodens beitragen. Indem Landwirt:innen den Boden das ganze Jahr über bedeckt halten, Störungen des Bodens minimieren, lebende Wurzeln erhalten und die Viehzucht integrieren, können Landwirt:innen von widerstandsfähigeren und produktiveren Feldern profitieren. Regenerative Maßnahmen können die Bodenstruktur verbessern, die Wasserspeicherkapazität erhöhen und die Artenvielfalt im und über dem Boden steigern. Regenerative Landwirtschaft schützt also nicht nur das Klima und die biologische Vielfalt, sondern hilft den Landwirt:innen auch bei der Anpassung an die immer extremeren Auswirkungen des Klimawandels. Sie ist eine entscheidende Investition in die Zukunft unserer Landwirtschaft, der Lebensmittelindustrie und letztlich in die Sicherung unserer Lebensgrundlage. Gemeinsam mit Klim können Unternehmen aller Branchen regenerative Landwirt:innen unterstützen und dazu beitragen, die Regeneration unserer Böden zu fördern.

Quellen: (1), (2), (3), (4), (5), (6), (7), (8), (9), (10), (11)

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